"Am Anfang der Zukunft"

Als Siebenjährige begann sie bei "Rolf und seinen Freunden" mitzusingen. Mit 19 wollte sie dann allein auf die Bühne, nach dem Abitur Musicalsängerin werden. Doch dann entschied sie sich doch für ein Medizinstudium. Musik machte sie weiterhin nebenher.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihres ersten Solo-Albums war Anuschka Mitte 30, hatte einen Sohn und eine Tochter und stand „Am Anfang der Zukunft“. Die jetzt knapp 40 jährige (inzwischen dreifache Mutter) hat damit eine Lücke in der Pop-Welt geschlossen. Fast alle Texte der 13 Songs und drei Kompositionen sind von ihr. Sie erzählt aus einer Gefühls- und Erfahrungswelt, die sie mit Millionen anderen Frauen (und Männern) ihrer Generation teilt. Alles dreht sich bei ihr ums Familienleben, Frausein, Elternsein.

"Mutter sein in Zeiten unbegrenzter Möglichkeiten" hatte die Tochter von Rolf Zuckowski und Schwester der Songwriters Alexander Zuckowski ihr Werk zunächst nennen wollen. Doch wirklich zufrieden war sie damit nicht.

Als alle Songs bereits aufgenommen und abgemischt waren, kam ihr unverhofft die zündende Idee. Beim Autofahren. Die Kinder waren hinten im Wagen eingeschlafen. Sie schaltete das Radio ein und hörte eine Sendung über X- und Y-Chromosomen. Ein paar Gedankensprünge später war der passendste aller Titel für ihr Musikprojekt geboren: "Am Anfang der Zukunft" als Ausdruck für den Aufbruch in ein Leben zu dritt, zu viert, zu fünft...

Anuschka Zuckowski nimmt uns mit auf ihre persönliche "Elternzeitreise" und beginnt, als sie noch mit ihrem heutigen Ehemann Markus zu zweit und frisch verliebt, der Traum von "Vater, Mutter, Kind" noch nicht Wirklichkeit geworden war. Das ist bald zwölf Jahre her.

Gleich nach dem Examen wurde sie schwanger. War das der richtige Zeitpunkt? "Gibt es den denn überhaupt?", fragt sie zurück. "Wirklich passen tut es doch nie!"

Nächste Station: Der ausgerechnete Geburtstermin rückt näher. Die Elternratgeber sind gelesen, die Wickelkommode ist aufgebaut, die Tasche fürs Krankenhaus steht gepackt an der Tür. Doch zwischen all die Vorfreude auf das Baby mischt sich - ganz ehrlich - auch ein wenig Angst. Davor, etwas zu versäumen. Auch davor, sich selbst zu verlieren. Und davor, dass es kein Zurück mehr gibt.

Dann ist es plötzlich da, das große Glück. Anuschka drückt das in "25 Stunden" so aus: "Ich hab mich schon so daran gewöhnt, dich stundenlang einfach anzusehen... Ich hätt' nie gedacht, dass es möglich ist, dass du fester Teil meiner Seele bist... Du glänzt wie ein Kristall, bist mein Wunder, mein Freiflug ins All."

Zwischen den Zeilen oder ganz offen bringt sie aber auch die weniger schöne Seiten des Elternseins zur Sprache: Schlaf nur noch in homöopathischen Dosen, Krisen am Mittagstisch, weil dem Nachwuchs das Essen nicht schmeckt, Tränenbäche und Geschrei aushalten während Trotzphasen. Wer's selbst erlebt hat, wird zustimmen: Es ist nicht immer ganz leicht, ständig verfügbar zu sein, trösten und Verständnis haben zu müssen. Sie bewundere alle "Nur"-Mütter (oder "Nur"-Väter), die diese Belastungen ohne einen beruflichen Ausgleich aushalten, sich ganz und rückhaltlos der Familie widmen. "Ich gebe zu, dafür viel zu egoistisch zu sein. Ich brauche meine Freiheit und Möglichkeiten, mich selbst zu verwirklichen", verrät Anuschka.

Für sie war die Entscheidung gegen ihren studierten Beruf richtig. "Ich habe lange gebraucht, um meinen Weg zu finden und habe doch nie einen Schritt bereut." Inzwischen hat sie sich als Aerobic- und danach als Pilates-Lehrerin ausbilden lassen, um in Fitness-Studios in Hamburg unterrichten zu können. Außerdem sang sie in den vergangenen Jahren im Studio mit ihrem Vater, ging mit ihm und seiner Band auf Tournee und arbeitete mit einem Freund, Jörg Löffler, in München an einem gemeinsamen Pop-Projekt.

"Sport und Musik sind für mich zum Beruf geworden und dabei immer noch der beste Ausgleich", sagt Anuschka. Das kann man sehen bzw. hören. Sie fällt auf durch ihre schlanke Figur und eine ebenso durchtrainierte, einschmeichelnde Stimme. "Lange habe ich gedacht: Je kräftiger die Stimme klingt und je höher die Töne desto besser. Aber das war falsch." Nun bleibt sie in ihrem natürlichen Frequenzbereich und kann es locker mit so mancher Künstlerkollegin aufnehmen.

"Ich bin bestimmt keine Supermutter, die niemals an ihre Grenzen stößt. Perfekte Familien ohne Probleme gibt es vielleicht in Hollywood. Bei uns ist das anders - und trotzdem schön. Wir lernen und wachsen alle jeden Tag ein bisschen, nicht nur die Kinder", erklärt die junge Frau, die ganz offensichtlich mit sich im Reinen ist.

Patentrezepte hat sie nicht. Sie will auch niemanden belehren. Wichtig sind ihrer Meinung nach aber die Stunden nur mit dem Partner. Es hat also seinen Grund, warum sie in "Hier kommt die Nacht" die Abende zu zweit, wenn die Kleinen schon selig schlummern, als ihre "heilige Zeit" bezeichnet. "Sofern zwei Menschen sich nur noch als Eltern und kaum noch als Paar begreifen, verabschiedet sich irgendwann die Liebe", ist Anuschka überzeugt. Sie setzt alles daran, dass ihr das niemals passieren wird.